Wäre eine sechsjährige Grundschule in Bayern sinnvoll sowie umsetzbar und welche Bedeutung hätte dies in Bezug auf Inklusion?

 

Frau Simone Sowa studiert Lehramt in Bayern und hat sich in ihrer Zulassungsarbeit für das 1. Staatsexamen mit dem Konzept der sechsjährigen Grundschule auseinander gesetzt. Eine Zusammenfassung ihrer Arbeit hat sie dem Münchner Manifest zur Verfügung gestellt. Diese möchten wir zu Beginn des kommenden Schuljahres 2018/19 hier veröffentlichen:

 

„Anhand einer theoretischen Recherche und anschließenden Gruppendiskussion wurde diese Frage untersucht. Eine eindeutige Antwort auf die Fragestellung gibt es jedoch nicht.

Ob eine längere Grundschulzeit sinnvoll ist, ist zwar eher mit „Ja“ zu beantworten, jedoch nur, wenn sich auch am Lernverständnis und Gesamtsystem etwas ändert. Die praktische Umsetzbarkeit ist schon in Betracht zu ziehen, die psychische Umsetzbarkeit jedoch im Moment eher nicht.

Zuerst müsste die Gesellschaft und die Politik anfangen umzudenken, damit eine längere Grundschulzeit auch den erwünschten positiven Effekt hätte. Auch finanzielle Rahmenbedingungen erschweren die Umsetzbarkeit, da auch momentan Mittel zum Personalausbau fehlen.

Der Weg zur Bedeutung der sechsjährigen Grundschule für die Inklusion fällt erst einmal schwer. Denn auch die Inklusion könnte in einer sechsjährigen Grundschule scheitern, wenn Personalmangel herrscht und Lehrkräfte ungeschult mit Kindern mit Förderbedarf arbeiten sollen.

 

Änderungen sind gewünscht

Der Wunsch nach einer Änderung ist da, wie in den Ergebnissen der Gruppendiskussion herausgekommen ist. Die Arbeit an der Forschungsfrage hat gezeigt, dass erst ein Umdenken in der Gesellschaft bezüglich des Leistungssystems stattfinden muss und dann können Lerninhalte und Schulsysteme erfolgreich angenommen und umgesetzt werden.

Reformdenken ist zwar schon ansatzweise bemerkbar, wie in dem Konzept der Flexiblen Grundschule, jedoch wird oft an kleinen Schrauben gedreht und Flicken genäht. Erst ein Herunterbrechen des Gesamtsystems bestehend aus Gesellschaft, Arbeitswelt und Schule würden eine Großreform ermöglichen. Dass dies nicht über Nacht passiert, versteht sich von selbst.

Jedoch müsste es einen Zeitpunkt geben, der den Anfang einer Änderung darstellt. Die Verantwortung dabei liegt bei der Politik.“

Was sagt wohl das Kultusministerium dazu?

Wir danken Frau Sowa für diesen Text und ergreifen die Gelegenheit, um unseren neuen Kultusminister Herrn Sibler, der uns noch immer ein Statement – wie übrigens auch sein Vorgänger – zum Münchner Manifest schuldig ist, also um zwei Statements zu bitten.

Herr Sibler macht derzeit im Vorfeld der Landtagswahl im Oktober 2018 viele Zugeständnisse und gibt laut SZ den Wunscherfüller.

Da in Sowas Arbeit klar herauskommt, dass ein Umdenken VOR einer Großreform stattfinden muss, würde uns die Antwort Herrn Siblers sehr interessieren. Sowa bemerkt auch, dass der Impuls von der Politik aus gehen müsse. Wie wir alle wissen, gibt es inzwischen genügend Bürgerinnen und Bürger, die ein solches Umdenken schon vollzogen haben, doch das ist ein zu kleiner Teil. Der größte Teil der Bevölkerung hat mit der Schulpolitik nichts zu tun. Daher ist die Aussage, dass der Impuls zum Umdenken von der Politik ausgehen müsse, durchaus berechtigt.

 

Dieses Schreiben geht noch heute an den Kultusminister

Sehr geehrter Herr Siebler,

kurz vor dem Schulstart in Bayern, nach sonnigen Sommerferien und auch kurz vor der Landtagswahl in Bayern erinnern wir Sie an das ausstehende Statement zum Münchner Manifest für Bildung im 21. Jahrhundert. – Wir hatten Sie schon kurz nach Ihrem Amtsantritt mit einer Mail vom 28.03.2018 arum gebenten. Übrigens blieb uns Ihr Vorgänger Herr Spänle auch schon eine Antwort schuldig.

Derzeit verfügen Sie über gute Presse, da Sie viele Zugeständnisse machen und auch den Ruf des „Kümmerers“ haben und als gesprächsbereit gelten. Das freut uns sehr. Denn die Bildungspolitik ist ein sensibles Feld, die engagierten Lehrerinnen und Lehrer, sowie Eltern und Schüler wollen gesehen und gehört werden. Das bedeutet Wertschätzung!

Doch nicht nur zum Manifest interessiert uns Ihre Meinung. Auf der Seite des Manifests haben wir heute eine Zusammenfassung einer Zulassungsarbeit einer engagierten Lehramtsstudentin zum Thema „sechsjährige Grundschule“ veröffentlicht. Sie kommt zu dem Fazit, dass vor einer Reform – vernab von Drehen an kleinen Schrauben und Flickschusterei – ein Umdenken in Politik und Gesellschaft stattfinden muss. Sie fordert den Impuls von der Politik. – Wie sehen Sie das und was könne Sie dafür tun?

Wir freuen uns auf Ihre Antwort und sind immer für persönliche Gespräche offen

 

 

Natürlich werden wir die Antwort Herrn Siblers veröffentlichen.

Bleiben auch Sie am Ball. Werden Sie zum Mulitplikator für gelingende, zukunftsfähige Bildung. Der alleinige Impuls aus der Politik wird es nicht sein, es braucht beide Kräfte. Die aus der Politik und die von der Basis. Gemeinsam werden wir es schaffen.